Am Pfingstsonntag, 24. Mai 2026, fand heuer zum 50. Mal die Vogalonga statt. Das ist eine als Regatta ausgeschriebene Ruderfahrt durch Venedig, die 1976 ursprünglich zu dem Zweck gegründet wurde, um die Stadt zumindest einen Tag im Jahr frei von Motorbooten zu halten. Und so dürfen an diesem Tag keine motorbetriebenen Boote, sondern nur muskelbetriebene, sprich geruderte Boote fahren.
Ich hatte eine Einladung von meinem Schwager, der in Frankfurt am Main rudert, an der Fahrt der Frankfurter Rudergesellschaft Germania (FRG) teilzunehmen, die mit fünf Booten (4+) und 25 Ruder*innen an der Vogalonga teilnahm.
Meine Anreise erfolgte am Freitag, 22. Mai 2026 mit der Bahn (in 4½ Stunden von Graz nach Venedig), die meisten Teilnehmer*innen aus Frankfurt reisten per Flugzeug an. Die Boote waren schon zuvor transportiert worden und bereits am Freitag in der Früh angekommen.
Während der Vogalonga ist es nicht einfach, einen freien Zugang zum Wasser zu finden und einen Platz, wo die Boote über Nacht bleiben können. Die Veranstaltung ist ziemlich kommerzialisiert und die Zugänge werden teuer verkauft. Dennoch ist es gelungen, einen öffentlichen Zugang (Bootsslip) zu finden, allerdings mussten die Boote mehr oder weniger am Straßenrand zusammengebaut werden. Der Bootsslip befand sich am Lido di Venezia, ziemlich weit im Süden.
Am Samstag begann dann das Abenteuer mit dem Aufriggern der Boote. Zusätzlich wurden noch einige Vorkehrungen getroffen, um auch gegen hohen Wellengang gewappnet zu sein. So wurden auf dem offenen Bug und Heck der gesteuerten Wanderboote (4+) Luftkästen aus Plastikfolie gebaut und die Ausleger mit mehreren Bahnen Klebeband über die Länge der Boote verbunden, damit das Wasser nicht gleich ins Boot schwappt, sondern etwas gebremst wird und wieder ablaufen kann. Trotzdem haben wir die eine oder andere „Dusche“ abbekommen.
Anschließend fand eine gemeinsame Ausfahrt vom Lido di Venezia durch die Insel Sant‘ Andrea bis zur Südspitze der Insel Sant‘ Erasmo statt, wo wir eine Mittagsrast bei einem Strandcafé einlegten. Auf demselben Weg fuhren wir auch wieder zurück. Insgesamt war das eine Runde von ca. 15 km.
Die Boote vertäuten wir in einem Seitenkanal am Lido hintereinander an recht einladend aussehenden Pollern. Allerdings stellte sich am späteren Abend heraus, dass es sich dabei um privat vermietete Liegeplätze für Taxiboote handelte. Die Inhaber dieser Liegeplätze waren nicht erfreut und haben unsere Boote ziemlich brutal auf einem Platz zusammengebunden.




Am Sonntag fand dann die Vogalonga statt. Es begann mit einer sehr wellenbetonten Fahrt über die Lagune nach San Marco, wo um 9:00 Uhr der Start erfolgte. Von überall her kamen auf einmal hunderte, ja tausende Ruderboote, die sich auf das Startsignal (einen Kanonenschuss) hin in Bewegung setzten.

Ruderboote (Zweier, Dreier, Vierer, Coastal- und Wanderboote), Paddelboote (Einer, Zweier, Vierer; aufblasbar, mit festem Rumpf oder Faltboote, aus allen möglichen Materialien), Drachenboote, Gondeln in allen Größen (ein bis 18 Mann Ruderer), geruderte Fischerboote, holländische Küstenboote, Kirchboote, Stand-Up-Paddler, und sogar Tretboote) waren dabei, insgesamt mehr als 2000 Boote und 8000 Teilnehmer*innen!



Die Route führt von San Marco rund um Giardini und dann vorbei an Sant‘ Andrea und Sant‘ Erasmo entlang Richtung Norden bis nach Burano, um Burano nördlich herum und weiter über die offene Lagune nach Murano. Dann geht es um Murano herum und weiter nach Venedig. In Sant’ Erasmo und auf Murano machten wir kurze Pausen, die einen Wechsel am Steuer ermöglichten. Stellenweise ist die Strecke sehr schmal und die Steuerleute hatten alle Hände voll zu tun, in dem Chaos, das durch mehr als 2000 Boote verursacht wird, die Richtung zu halten und Kollisionen zu verhindern.

Zurück in der Stadt Venedig führt die Route über Cannaregio zum Canale Grande und diesen entlang, unter der Rialtobrücke hindurch, bis zum Markusplatz. In Cannaregio wurde es zeitweise sehr eng, weil sehr viele Boote zugleich angekommen sind. Es gab, trotz Blockabfertigung im Vorfeld, eine veritable Verstopfung an der Einfahrt in den Kanal. Und zu allem Überfluss wollte dann auch noch ein Wassertaxi-Fahrer genau in diesem Moment in den Kanal einfahren (was definitiv verboten war). Die Italiener in den Ruderbooten sangen schon Schmählieder auf ihn. Alle Ruderer rundum jubelten auf und applaudierten, als er endlich abdrehte – woraufhin er rückwärts auf uns zu steuerte. Als er wieder Gas gab, um wegzufahren, brandete der Jubel erneut auf und er kam noch einmal zurück. Typisch italienischer Macho! Aber der Jubel der Ruderer trieb ihn dann endgültig davon.

Im Kanal waren Rettungsschwimmer als Stauhelfer im Wasser, die sich redlich bemühten, die Verstopfung des Kanals zu lösen. Eine Drachenboot-Mannschaft sorgte dabei mit einer Boom-Box für Partystimmung, während andere Boote drängelten und wir bemüht waren, mit langgelegten Rudern nicht ins Wasser zu fallen. Es dauerte einige Zeit, bis wir durch den Stau durch waren, aber in Cannaregio war dann viel Publikum auf den Gehsteigen beiderseits des Kanals, das begeistert applaudierte und uns anfeuerte.


Und die anschließende Fahrt über den Canale Grande mit dem Ruderboot auf ruhigem Wasser bei strahlendem Sonnenschein – das war schon erhebend!



Am Ende des Canale Grande lag dann das Ziel-Schiff in der Mitte des Kanals, wo sich die Teilnehmer ihre Medaillen und Preise (T-Shirts) abholen konnten. Da wir leider ohne Registrierung mitgefahren sind, haben wir diese Station ausgelassen.
Der Weg über die Lagune hinüber nach Giudecca war dann sehr herausfordernd, weil dort wieder reger Motorboot- und Schiffsverkehr herrschte. Hier haben wir in den wilden Wellen eine ordentliche Dusche abbekommen. Ab Giudecca hatten wir dann noch eine ca. 5 km lange Rückfahrt zum Lido, die sich „endlos“ anfühlte – aber wenigstens auf der ruhigen Lagune über seichtes Wasser führte. Die Tagesetappe betrug rund 33 km.

Nach dem Anlanden wurden die Boote abgeriggert und verladen und das Abenteuer Vogalonga endete mit einer Busfahrt zurück zum Hotel.
Die Rückreise nach Graz erfolgte dann am Montag.
Herzlichen Dank an die Organisatoren der FRG, dass ich dabei sein durfte. Es war ein tolles Abenteuer.
Rudi Cerjak



